Animateur auf dem Campingplatz auf der Düne von Pyla – Arcachon

Wegbegleitung für Einzelgänger
Tetje Velmede
Dipl. Psychologe & Schriftsteller
Baccalauréat bilingue: Lycée Saint Charles
Mehr lesenIch trete ein in die Kombüse des neuen Heims – und sofort riecht es nach Suppengrün, nach gebratenem Fisch und nach frisch gebackenem Brot. Für mich, den alten Seemann, ist die Kombüse immer das Herzstück gewesen. Auf See war sie der Ort, wo wir zusammenkamen, wo Wärme herrschte, wenn draußen der Sturm tobte.
Mehr lesenIch habe lange auf Deck gestanden, die Hände am Reling, und nachgedacht. Was nützt der schönste Hafen, wenn keine Schiffe darin liegen? So ist es auch mit dem Heim: Was nützt der Bau, wenn die Menschen nicht hineinströmen wie Möwen dem Fangboot?
Mehr lesenIch sitze an meinem Tisch und rolle Seekarten aus. Doch diesmal sind es keine Karten der Nordsee, sondern Entwürfe von Gemeinschaftsräumen, Fluren und Gärten. Es fühlt sich seltsam an, als würde ich einen neuen Kutter entwerfen, nur dass er nicht mehr fährt, sondern stillliegt – und trotzdem Bewegung ins Leben bringt.
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CISV International ist eine der weltweit größten Non-Profit-Organisationen für internationale Begegnungen und ist frei von politischen und religiösen Bindungen.
Jährlich finden mehr als 200 nationale und internationale Programme und Aktivitäten für Kinder, Jugendliche und Erwachsene in mehr als 70 Mitgliedsländern statt.
In Deutschland ist CISV in 10 Städten vertreten. Abgesehen von einem hauptamtlich agierenden Büro mit Sitz in Newcastle upon Tyne (Großbritannien), basiert die Arbeit des CISV International ausschließlich auf ehrenamtlichem Engagement seiner zahlreichen Mitglieder.



Ich erinnere mich noch genau an das Kreischen des Krans, wenn er die Lasten hob. Der Haferkran war ein stählerner Riese, der Tag für Tag Kornsäcke aus den Schiffsbäuchen zog. Für uns Schauerleute war das kein Schauspiel, sondern tägliche Plackerei. Wenn die Säcke endlich unten lagen, wuchteten wir sie auf die Schultern. Einer nach dem anderen, schwer wie Mühlsteine.
Mehr lesenOrt: Eine alte Barkasse, umgebaut zur „Praxis Dr. Siggi Freud“, Elbbrücken.
Szene:
Tetje liegt lang ausgestreckt auf einer Planke mit Nackenrolle, Hein spielt den Pförtner und Fiete ist als Assistent dabei.
Freud: „Also, Herr Tetje, was träumen Sie so?“
Tetje: „Meistens dat ich mit’n Aal rede, und der Aal is mien Mudder, aber auch ein Fischbrötchen.“
Freud (nickt wissend): „Ein klassischer Ödipus-Fisch. Symbolisch gesprochen natürlich.“
Hein (von draußen): „Oder er hat einfach Hunger!“
Fiete: „Oder beides. Hunger auf Mutterliebe mit Remoulade.“
Freud: „Und sagen Sie mal – wie ist Ihr Verhältnis zu Ihrem Vater?“
Tetje: „Der war Kapitän, aber innerlich eher Decksmann. Ich glaub, ich hab’n innerlichen Ankerkomplex.“
Freud: „Sie meinen: Sie kommen nie los vom sicheren Hafen?“
Tetje: „Nee, ich mein: Ich zieh alles runter, wat mir zu nah kummt.“
Fiete: „Wie dein Humor, Tetje.“
Am Ende verschreibt Freud Tetje eine Dosis „Verdrängung mit Hafengeruch“ und sie trinken zusammen einen Schnaps auf das „kollektive Unterdeck des Unbewussten“.
Ort: Eine träumerisch-surrealistische Kulisse am Museumshafen Övelgönne.
Tetje ist eingeschlafen in einem alten Rettungsboot, Hein und Fiete wachen über ihn. Plötzlich taucht Freud auf – im Traum.
Freud: „Ich bin dein Über-Ich. Oder zumindest dein österreichischer Berater.“
Tetje: „Ich wusste, dass mein Über-Ich Zigarren raucht.“
Freud: „Du hast ein starkes Es – aber es sabbelt zu viel.“
Tetje: „Wen wundert’s – ich bin Hamburger!“
Dann erscheint ein Spiegel, in dem Tetje sich als Möwe sieht.
Freud: „Sie fliegen über alles hinweg – klassischer Abwehrmechanismus.“
Tetje (erschrocken): „Oder ich bin einfach frei, du Tüdelpsychologe!“
Fiete (aus dem Off): „Wenn sein Über-Ich platt schnackt, weißt du, es ist ernst.“
Hein: „Ich hab das Gefühl, Freud ist nur ein Symbol für Tetjes inneren Spinat.“
Freud: „Ich bin beleidigt. Aber analytisch.“
Tetje: „Dann analysier mal dein Ego. Meins will jetzt n Fischbrötchen!“
Ort: Hamburger Fischmarkt, kurz nach Sonnenaufgang. Freud will Menschen beobachten.
Freud (entgeistert): „Diese Menschen schreien sich an, schlagen mit Aalen, und nennen es Einkaufen.“
Tetje: „Dat is Katharsis, Siggi. Wat bei dir Analyse is, is bei uns ‘n Aal in’t Gesicht.“
Freud: „Was ist mit dem Mann, der Bratheringe verkauft und dabei weint?“
Hein: „Der verarbeitet seine Kindheit. Und schlechte Umsätze.“
Fiete: „Jau, de hat ‘n Vaterkomplex mit Matjes-Füllung.“
Freud: „Und dieser Junge, der mit seiner Mutter die Krabben sortiert – sehen Sie das Unbewusste in Aktion?“
Tetje: „Nee, ich seh, dat er gleich ne Scholle klaut.“
Freud (begeistert): „So roh, so ehrlich – das ist die Id-Struktur pur!“
Freud schreibt hektisch auf einen Fischkarton:
„Das Unbewusste ist ein Fischmarkt. Es stinkt, es schreit, aber es lebt.“
Am Ende versucht Freud, seine Couch auf dem Fischmarkt zu verkaufen. Erfolglos. Hein tauscht sie gegen zwei Makrelen.
Morgens ist das Heim am schönsten.
Bevor das Summen der Pflegerinnen durch die Flure zieht, bevor die Tablettenwagen klackern und der Duft nach Haferbrei die Zimmer füllt. Dann ist alles noch still. Nur das Ticken der großen Uhr im Flur – und Bootsmanns leises Schnarchen unter meinem Sessel.
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