Defending-Team informiert Eltern und trainiert Kinder
Etwa 40 Eltern sitzen in einem Klassenraum der Grundschule Wiesenfeld und lauschen aufmerksam den Ausführungen des Referenten Tetje Velmede. „Problemen aus dem Weg zu gehen, das verstehen Kinder sehr schnell, sagt Tetje Velmede (33). „Sich zu wehren oder Nein zu sagen, das dauert etwas länger.“ Plötzlich zUcken die Zuhörer zusammen: „Hören Sie damit auf! Lassen Sie mich los!“, schreit Velmede. Nachdem sich die Nackenhaare wieder gelegt haben, wissen die Eltern, daß es eine gute Idee war, den Trainer des Defendig-Teams im Rahmen der Vortragsreihe „Orientierung in einer komplizierten Welt“ einzuladen. Gerade haben Sie den Erfolg einer Technik erkannt.
Rückblick: 1991 war eine Gruppe von Judokas und anderen Kampfsportlern angesprochen worden, ob sie nicht Frauen Selbstverteidigung beibringen könnten. Nicht jahrelanges Training, ein schnelles und effektives war gefragt. Das Konzept kam an – bei Männern und Frauen. 1998 wurden auf Anregung von Eltern Sicherheitsschulungen für Kinder entwickelt. Vor vier Jahren entstand aus dem Nebenjob eine Firma, die seit zwei Jahren in der Rechsform einer GmbH & Co. KG betrieben wird und mit 30 Trainern jährlich 10.000 Kinder schult. Das Defending-Team bietet aber auch Streß- und Konfliktmanagement für Firmen an.
„Bei uns arbeiten viele Leute mit akademischem Hintergrund – Kriminologen, Pädagogen, Lehrer, Gesundheitswissenschaftler und andere“, verrät André Schäfer, einer der Gründer.
Doch zurück in die Grundschule Wiesenfeld, wo das Defending-Team Ende April den Erst- bis Viertklässlern Sicherheitsschulungen anbietet. Hier fährt Velmede, der nicht nur Trainer, sondern auch Psychologe und Dolmetscher für Gebärdensprache ist, in seinen Erklärungen fort:
„Mädchen werden öfter sexueller Gewalt, Jungen von Körperverletzungen.“ Daher würden die Geschlechter getrennt unterrichtet, werden bestimmte Dinge unterschiedlich geübt. Wie man einen Mitschnacker erkennt, erfahren aber alle Kinder. „Was erzählen Sie über sexuellen Missbrauch?“, fragt eine Mutter besorgt. „Der macht Sachen mit dir, die Du nicht möchtest“, erklärt der Trainer. „Alles andere ist Aufgabe der Eltern.“
Der Job des Defending-Teams sei es, Selbstvertrauen aufzubauen und Verteidigungstechniken zu lehren.
„Ich-Botschaften sind wichtig“, betont Velmede. „Ich bestimme, wer mich anfassen darf“, „Ich darf Nein sagen“, „Ich darf mich wehren“… In eine Opferrolle gerieten Menschen häufig durch eine Art selbsterfüllende Prophezeiung: Wer sich schwach glaubt, fühlt sich auch so und strahlt es aus.
Es gebe vier Sicherheitsschritte:
– Gefahr so früh wie möglich zu erkennen,
– auf Gefühle hören
– entscheiden für einen Trick
– handeln
Das könne ein frühzeitiges Wechseln der Straßenseite sein, ein Umweg über beleuchtete Straßen statt durch den Waldweg, Schreien oder auch ein Tritt gegen das Schienbein. All dies lernen die Kinder in Theorie und Praxis kennen.
2Hören Sie damit auf! Lassen Sie mich los!“, schreit Velmede erneut. „Das erregt Aufmerksamkeit – genau das, was die Täter vermeiden wollen. So zeigen Sie anderen, daß hier etwas gegen Ihren Willen geschieht.“ Das leuchtet den Eltern ein.
(Glinde (bor.)
